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Montag, 6. Mai 2013

Musiktipp: Max Prosa: "Rangoon"


Fotocredit: (C) Sandra Ludewig
Max Prosa ist wieder da!!!
Am 19.4.13. hat er sein neues Album veröffentlicht.
Vor einiger Zeit habe ich den Künstler und sein erstes Werk: „Die Phantasie wird siegen“ hier vorgestellt.
Nun möchte ich dies fortsetzen mit einem Kommentar über seine neuste Platte: „Rangoon“.

Begeistert habe ich mich auf die Musik eingelassen und gemerkt, dass sich vieles verändert hat und einiges gleich geblieben ist.
Verändert hat sich z.B. der Sound:
Wo das erste Album oft, wie eine reine Studioproduktion klang, mit verruchtem und dunklem Klang, öffnet sich „Rangoon“ in eine neue Richtung.
Es handelt sich hierbei um einen experimentelleren Klang, fast, wie ein direkter Mitschnitt von einer Session im Proberaum. Man spürt förmlich die Energie zwischen den Musikern.
Man merkt den Liedern richtig an, wie aufwendig am Gesamtbild musikalisch gearbeitet wurde. Der Facettenreichtum der Musik hat sich deutlich erhöht. Die Mundharmonika, die der Sänger auf der ersten Platte oft einsetzte, erklingt hier kein einziges Mal, was ein klein bisschen schade ist.
Dafür ertönen neuere Klänge: elektrische Klänge.
Im dritten Lied (Zwei Falter), z.B. wird das Drum Set durch ein Pattern aus der Drummaschine (also ein Schlagzeugbeat, der vom Computer erzeugt wird) erweitert. Der Beat zieht sich durch das ganze Lied und passt unglaublich gut hinein.
Auch besondere Keyboard- und Gitarren Verzerrungen nutzen die Musiker um ihre Musik neuer und frischer klingen zu lassen, was ebenso eine neue Facette für die Musik von Max Prosa ist.

Die früheren Lieder des Musikers zeigten eine starke Tendenz zur verspielten Akustikmusik, in Verbindung mit E-Gitarrenklängen auf. Die Musik auf dem neuen Album wirkt, als hätte der frühere Sound einen neuen Anstrich bekommen. Das passt erstaunlich gut, wobei ich hinzufügen muss, dass all diese Veränderungen nur in leichter Form zu bemerken sind.
Schwangen bei vielen Liedern auf der ersten Platte noch Emotionen, wie Verzweiflung oder Trauer in der Musik mit, ist die Grundstimmung auf der zweiten wesentlich lockerer und fröhlicher; wobei die traurigen Themen durchaus wieder auftauchen (In Liedern, wie „C’est la vie“ und „Heimkehr“ beispielsweise).

„Rangoon“ besitzt, wie schon das erste Werk des Liedermachers, einen bestimmten Themenschwerpunkt.
Max Prosa selbst bezeichnet es, als ein Sammelsurium von Figuren, die aufeinander treffen und in einzelnen Liedern vorgestellt werden.
Prosa nimmt eine neue Perspektive ein: Die des Erzählers.
Seine Schreibe hat sich weiterentwickelt.
Die Texte erzählen Geschichten. Geschichten, die über die Ich-Perspektive hinausgehen.
Der hermetische Charakter, den seine Texte schon immer besessen haben, diese Sprache, die voller Bilder steckt und ein großes Facettenreichtum an Assoziationen entstehen lässt, ist immer noch da. Er hat sich sogar verstärkt.
Jede Zeile, jedes Wort passt einfach hundertprozentig. Max Prosa webt seine Texte zu kleinen Kunstwerken, die eine unglaubliche Aussage besitzen.
Damit geht er einen Weg, auf dem ihm nicht viele andere deutsche Popmusiker folgen.
(C) Sandra Ludewig

Ob es am Lektorat seines Co-Autors Misha Schöneberg liegt, oder vielleicht auch einfach nur an einer Weiterentwicklung der Person: Max Prosa, so erinnern die Texte an eine Generation von deutschen Liedermachern, wie Hannes Wader oder Konstantin Wecker.
Besonders in der Tradition von letzterem sind einige Lieder auf dem Album vom Gedanken der Kritik an den Problemen der Welt geprägt.
Prosa singt über die Umweltkatastrophen und die herrschenden Bedingungen, aber auch über den Kapitalismus in unserer Welt („Chaossohn“) so wütend und lyrisch, wie nur wenige es vermögen.


"Und ich seh das Blut auf eurem Jackett, überm Schweinefett,
 Es geht nicht mehr weg, es geht nie mehr weg!
Ihr, die unentwegt nur im Luxus lebt, die Befehle gebt
Bis die Erde bebt, oh, die Erde bebt."
 Max Prosa: "Chaossohn"

Er schreibt in „Rangoon“ über die Safran Revolution, einer Demonstration von Mönchen in Myanmar, die sich September 2007 gegen die Militärdiktatur ihres Landes aussprachen und gewaltvoll niedergeschlagen wurden.

"Am Ufer wächst Gras,
Doch es riecht noch nach Blut."
Max Prosa "Rangoon"


In „Der Clown“ handelt es sich um noch mehr, als eine Geschichte. Das Lied ist vielmehr, auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, die nach Unterhaltung eifert.

"Und der Clown ist jetzt der Held
Dieser schönen neuen Welt,
Denn er tut, was euch gefällt,
Braucht keinen Dank, will bloß das Geld."
Max Prosa: "Der Clown"

Noch viel stärker, als bei „Die Phantasie wird siegen“, wo er die weltweite Trinkwasserknappheit („Totgesagte Welt“) besingt ergreift der Sänger mit „Rangoon“ eine eigene Meinung.

Zwei Lieder, die ich noch besonders hervorheben möchte, von dem neuen Album, sind zum einen Prosas Version, von Leonard Cohens Song „Hallelulja“ und das Lied: „Café Noir“.

Bei Ersterem ist es Prosa gelungen, mit der überaus gelungenen Übersetzung des Originaltext ins Deutsche (von Misha Schönenerg, der mit seinem Worten sehr nah, an denen des Uhrhebers liegt und dem es gelungen ist trotzdem ein Reimschema in die Lyriks zu bringen) und einem tollen Arrangement, dass der Song eine unglaubliche Wirkung bekommen hat. Es handelt sich hierbei nicht um ein einfaches Cover (vielen ist der Song ja eher bekannt, gesungen von Rufus Wainwright, als von Cohen selbst). Es ist vielmehr ein Tribut, an Cohen selbst, der dieses Lied immer sehr traurig und gehaltvoll interpretiert hat.

Das sah dieser wohl auch so, denn der Song wurde zur offiziellen deutschen Version von „Hallelulja“ anerkannt (Cohen verlangt also nicht mal Geld, wegen seinem Urheberrechts an dem Song).

Bei dem zweiten Lied („Café Noir“) handelt es sich, meiner Meinung nach, um DAS zentrale Stück des Albums. Hier werden viele Fäden, aus anderen Geschichten verknüpft, all die besonderen Figuren, die Prosa beschreibt sind versammelt in einem dunklen Café, ein besonderer Ort.
Das Lied erzählt viele kleine Lebensgeschichten, verschiedener Akteure.
Das Ganze ist eine tolle Geschichte, deren Facetten einen, an das eigene Leben erinnern
Selbst der Sänger Bob Dylan, mit dem Max Prosa oft verglichen wird, findet einen kleinen Gastauftritt.

„Café Noir“ ist mein persönliches Lieblingslied, auf dem neuem Album „Rangoon“.

(C) Sandra Ludewig
Max Prosa ist noch besser geworden. Sein Stil hat sich verändert, aber ist immer noch gleich im Ursprung.
Max Prosa ist ein besonderer Künstler.
Für mich ist er von großer Bedeutung, für die deutsche Musik und wird es auch noch lange bleiben!






 Amazon Link:
Rangoon


Bilderquellen: Es handelt sich hierbei um Pressefotos, der Agentur:  http://www.becktomusic.de/maxprosa-presse.html
Ich besitze keine Rechte an den Bildern und nutze sie lediglich um dem Leser einen optischen Eindruck des Themas zu geben.

Sonntag, 5. Mai 2013

Lange Pause

Lange habe ich nun nichts mehr veröffentlicht, was vor allem daran lag, dass ich in der letzten Zeit, in meiner Situation, das ich Schüler bin,  viel zu tun hatte.

Das ganze tut mir auch ein bisschen leid, weil ich eigentlich sehr gerne schreibe und die Texte hier für euch veröffentliche!

Ich werde von nun an wieder mehr von mit geben!
Morgen geht's direkt los, mit einem Text über ein neues besonderes Album.
:)

Viel Spaß

Herr Kultur

Montag, 4. März 2013

Update: "Roche und Böhmermann"

Nun...seit Gestern weiß man nun, dass es keine weiteren Folgen von "Roche und Böhmermann" geben wird :(
Wie ich es in meinem ausführlichen Text über die Talksendung geschrieben habe, war ich stark überzeugt davon, dass es weitere neue Folgen geben wird. Darauf habe ich gehofft bis zum Schluss. Nun ist es aber leider so, wie man es der Presse entnehmen konnte, dass der Sender "ZDF Kultur" ebenfalls eingestellt werden soll und wahrscheinlich auch deswegen keine gute Platform für diese Sendung mehr vorhanden wäre (Es gab wohl ein Angebot für einen Programmplatz auf dem Hauptkanal...aber um 0.30 Uhr). Ich kann nur sagen, dass ich das ich das sehr schade finde!!! Ich hätte mich echt wahnsinnig auf neue Ausgaben, dieser wirklich anderen Sendung, gefreut und habe gehofft, dass das alles nur ein PR-Gag war.

Man kann jetzt vielleicht noch darauf hoffen, dass die beiden Moderatoren: Charlotte Roche und Jan Böhmermann sich erneut für eine gemeinsame Zusammenarbeit entscheiden...und wer weiß...vielleicht schaffen sie es ja nochmal so ein tolles Format auf die Beine zu stellen.

Ich wollte meinen alten Text nicht nochmal aktualisieren, weil ich das schade fände! Mir war es trotzdem wichtig das Thema auf den neusten Stand zu bringen.

Wahrscheinlich wird es sich "ZDF Kultur" nicht nehmen lassen weiterhin die alten Folgen zu wiederholen, was vielleicht für die unter euch interessant sein könnte, die erste jetzt auf die Sendung aufmerksam geworden sind!
Ansonsten sind alle Folgen noch in der ZDF Mediathek zum Anschauen verfügbar (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/1583110#/kanaluebersicht/1583110/).
Viel Spaß!

Schade, dass dieses tolle Format nicht überleben konnte...


Weitere Informationen:
In einem aktuellen Interview äußern sich die beiden Produzenten der Sendung zu dem Ende von "Roche und Böhmermann" und zu der Zukunft ihrer Firma. Ein ganz interessantes Gespräch!
http://www.dwdl.de/interviews/39852/auch_ohne_roche__boehmermann_gehts_weiter/


Bildquelle: http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/blob/6058214/11/data.jpg
 Ich besitze keine Rechte an den Bildern und nutze sie lediglich um dem Leser einen optischen Eindruck des Themas zu geben.

Freitag, 1. März 2013

Buchtipp: "Herr Lehmann"



Wenn Musiker Bücher schreiben, dann sind das oft nur ihre Autobiographien.
Selten schreiben Musiker Romane.
Sven Regener hat es getan.
Er ist der Sänger und Frontmann der deutschen Indie-Rock  Band „Element of Crime“, die mit ihrer Musik nicht unbedingt den  großen Mainstream bedienen. Einer größeren Masse ist Regener vielleicht am ehesten bekannt, durch sein wütendes  Plädoyer zum Urheberrecht,  bei einem Radiointerview.
Mit dem Buch „Herr Lehmann“ ist dem Künstler etwas ganz besonderes gelungen: Eine Gradwanderung zwischen brüllend komisch, ernst und anrührend.

Frank wird bald dreißig und deswegen fangen alle um ihn herum an, ihn Herr Lehmann zu nennen.
Der gebürtige Bremer lebt im Berlin-Kreuzberg des Jahres 1989. Er arbeitet als Kellner in einer kleinen Kneipe. Er ist Einzelgänger, sein Tagesablauf ist oft der gleiche, neben der Arbeit geht er ins öffentliche Schwimmbad oder trifft sich mit seinem Freund Karl.
Schließlich lernt er Karin kennen. Das verändert sein Leben…und dann kündigen sich auch noch die Eltern aus Bremen an, die eigentlich davon ausgehen, dass er in einem tollen Job mit guter Bezahlung arbeitet…
 



Unter normalen Umständen wäre die Handlung von „Herr Lehmann“ fast schon langweilig. Es gibt keinen wirklichen Plot, einen Beginn oder ein Ende. Alles geht einfach so vor sich hin.
Aber genau darin liegt für mich der Reiz der Geschichte.
Das ganze Buch lebt vollkommen von seinem Hauptcharakter Frank Lehmann.
Frank ist ein besonderer Mensch. Als Leser kann man ihn zu Anfang nur schwer einschätzen, weiß vielleicht erst mal wenig mit ihm anzufangen. Aber das weiß Frank vielleicht ja auch selbst nicht so wirklich. Es scheint so, als habe er kein wirkliches Ziel, keine Perspektiven. Deswegen ändert sich auch so wenig in seinem Leben.
In allen möglichen Situationen gewinnt der Leser Einblick in sein Denken, das oft sehr stark im Wiederspruch, zu seinem Handeln liegt. Dieses geschieht oft willkürlich, improvisiert und unbedacht.
Frank beobachtet gerne. Philosophiert über andere Menschen, oder aber auch Situationen in seinem Leben. Er nimmt sich die Zeit, darüber nachzudenken, worüber andere vielleicht nie Nachdenken würden. Dabei ist er vollkommen ehrlich, weswegen sich mache Personen, die ihm Begegnen, nicht gerne mit ihm unterhalten.

Auf der anderen Seite ist der Roman „Herr Lehmann“ nicht nur eine Geschichte über einen besonderen jungen Mann, sondern auch über eine besondere Zeit.
Es ist das Jahr des Mauerfalls. Überall um Frank herum diskutiert man darüber, was gerade im anderen Teil Berlins vor sich geht. (Er selbst enthält sich eher der Diskussion.) Es ist eine bewegende Zeit, eine Zeit des Wandels.

Sven Regener
Das Buch ist oftmals auch eine Milieustudie. Es zeigt das Leben von jungen Menschen in Berlin-Kreuzberg, zu einer Zeit, in der man wenig über Themen, wie Karriere oder Zukunft nachdenkt. Im Grunde sind alle Personen um Frank herum so ähnlich wie er. Es herrscht ein allgemeines, lockeres Lebensgefühl.
Der Stadtteil Berlin-Kreuzberg, ist nicht nur Ort des Geschehens, sondern auch eine Art Mikrokosmos, mit eigenen Regeln und Gesetzten (vielleicht sogar mit einem eigenen, bestimmten Charakter)

Sven Regener schreibt auf eine besondere Art und Weise!
So wie er, bauen nur wenige Autoren Sätze.
Man könnte an manchen Stellen des Buches sagen, das fast jeder einzelne Satz ein kleines Kunstwerk für sich ist.
Sie sind lang, vollgepackt mit Informationen, die oftmals Sprunghaft zwischen mehreren Themen hin und herwechseln. So kann es schon mal vereinzelt vorkommen, dass sich der Punkt eine halbe Seite unter dem Satzanfang befindet.
Das alles spricht aber nicht für eine komplizierte Sprache. Es handelt sich lediglich um ein Stilmittel, das dem Buch und auch dem Charakter von Frank Lehmann eine besondere Note verpasst.
Der Text und die Geschichte sind klar und leicht verständlich.

Wenn man schließlich nach 285 Seiten das Buch zur Seite gelegt hat, bleibt ein besonderes Gefühl zurück. Ein Gefühl von Ruhe und Ausgeglichenheit.
Auf diesen 285 Seiten hat man den jungen Frank Lehmann begleitet, dessen Leben auf einmal ganz schön aufregend geworden ist.
Die Person Frank Lehmann hat sich dadurch nicht geändert, sie geht ihren Weg weiter wie bisher. Ob das gut oder schlecht ist weiß man nicht.
Vielleicht ist das aber auch genau richtig so.


"Der Nachthimmel, der ganz frei von Wolken war, wies in der Ferne, über Ostberlin, schon einen hellen Schimmer auf, als Frank Lehmann, den sie neuerdings nur noch Herr Lehmann nannten, weil sich herumgesprochen hatte, daß er bald dreißig Jahre alt werden würde, quer über den Lausitzer Platz nach Hause ging."                                        
aus: Herr Lehmann von Sven Regener



Weitere Informationen:
Inzwischen existiert eine Herr Lehmann Trilogie. Sven Regener hat eine Vorgeschichte, bestehend aus zwei Büchern, hinzugefügt. Beide Bücher ("Neue Vah Süd" und "Der Kleine Bruder") sind ebenfalls sehr lesenswert.

Zu Herr Lehmann existiert inzwischen auch eine Verfilmung mit dem deutschen Schauspieler Christian Ulmen.

Daten:
Titel: Herr Lehmann
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442453306

Amazon Link:

Herr Lehmann Bilderquellen:
http://images.booklooker.de/isbn/9783442453306/Regener%20Herr-Lehmann-Ein-Roman.jpg
http://d1.stern.de/bilder/stern_5/kultur/2011/leselounge/11/Sven_Regener_Logbuecher_420_fitwidth_420.jpg
 Ich besitze keine Rechte an den Bildern und nutze sie lediglich um dem Leser einen optischen Eindruck des Themas zu geben.